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Gemeinsam gegen den Wohnungsmangel

10 Impulse für ein wachsendes Berlin mit ausreichend Wohnraum, stabilen Mieten und wirtschaftlicher Stärke 

Die Lage ist ernst – und Wohnraummangel die zentrale Zukunftsfrage

Berlin wächst – aber der Wohnungsbau hält nicht Schritt. Das Ergebnis ist sichtbar:

• Steigende Mieten
• Wachsende soziale Spannungen
• Familien finden keine Wohnungen
• Fachkräfte sagen Berlin ab

Der Wohnraummangel ist kein Naturgesetz. Er ist das Resultat politischer Versäumnisse, zu langsamer Verfahren und falscher Prioritäten. Die Polarisierung zwischen Mieterschutz und Neubau, zwischen Regulierung und Investition, blockiert Fortschritt. Berlin braucht eine faktenbasierte, parteiübergreifende Wohnungspolitik, die den Ausbau des Angebots priorisiert.

Wer bezahlbare Mieten will, muss mehr bauen. Neubau ist der Schlüssel zur Entspannung des Marktes. Gleichzeitig braucht es gezielte soziale Flankierung für besonders belastete Haushalte – ohne den dringend notwendigen Neubau auszubremsen. Wie kann das gelingen? Was sollten wir vermeiden?

Nachfolgend finden Sie 10 VBKI-Impulse für ein Berlin mit ausreichend Wohnraum, stabilen Mieten und wirtschaftlicher Stärke.

Unsere 10 Impulse

1. Wohnungsmangel ist das größte Standortproblem Berlins

Die Krise trifft längst nicht mehr nur Wohnungssuchende – sie gefährdet den gesamten Standort:

  • 89 Prozent der Unternehmen sehen Wohnraum als zentrales Problem für ihre Beschäftigten
  • offene Stellen bleiben unbesetzt
  • Investitionen werden verschoben oder abgesagt

Berlin droht, seine wirtschaftliche Dynamik zu verlieren – nicht wegen fehlender Ideen, sondern wegen fehlender Wohnungen.

2. Umverteilung ersetzt keinen Neubau

Die politische Debatte kreist zu oft nur um Regulierung, Eingriffe und Umverteilung.

Aber:

  • Mietendeckel, Verbote und Enteignungsdebatten schaffen keine einzige neue Wohnung
  • Unsicherheiten verzögern Investitionsentscheidungen und schrecken Investoren ab
  • sie verknappen langfristig das Angebot

Ohne Neubau bleibt jeder Eingriff Symptombekämpfung.

3. Vom Marathon zum Sprint: Verwaltung und Verfahren radikal beschleunigen

Berlin ist zu langsam – oft vergehen mehr als 10 Jahre von der Planung bis zur Genehmigung. Das ist nicht akzeptabel.

Konkreter Vorschlag: Planungsverfahren massiv beschleunigen, Erstellung von Bebauungsplänen in maximal 2 Jahren!

Mehr Tempo braucht einen echten Systemwechsel:

  • engere, verbindliche Zusammenarbeit aller beteiligten Behörden
  • schnelle und transparente Interessenabwägung mit klarer Priorität für Wohnungsbau
  • Entschlackung von Vorschriften, vollständige Digitalisierung aller Verfahren
  • verbindliche Fristen für Planungs- und Genehmigungsprozesse
  • klare Zuständigkeiten und effizientere Abstimmungen
  • mehr Personal, Kompetenzen und Umsetzungswillen in den Bauämtern

Ein solcher Ansatz durchbricht politischen Stillstand, schafft Planungssicherheit, ermöglicht deutlich mehr Tempo im Neubau und senkt Kosten.

Eine Stadt, die wachsen will, braucht eine Verwaltung, die handeln kann.

4. Baukosten senken – Standards neu justieren

Hohe Baukosten sind ein zentraler Preistreiber. In den letzten Jahren sind sie je nach Segment um über 30 Prozent gestiegen. Deshalb:

  • Standards und Vorgaben überprüfen und vereinfachen
  • neue, effizientere Grundrisse fördern
  • Gebäudetyp E konsequent bau- und mietrechtlich ermöglichen
  • serielles und modulares Bauen durch Typenbaugenehmigungen ausbauen

Der VBKI unterstützt ausdrücklich neue Wege zur Kostensenkung. Dafür braucht es einen gesetzlich abgesicherten Basisstandard, der Rechtssicherheit im Bauvertrags- und Mietrecht gewährleistet und gleichzeitig einfacheres Bauen ermöglicht.

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung sind die zahlreichen gesetzlichen und untergesetzlichen Maßnahmen der Bauverwaltung im Rahmen von „Einfach Bauen Berlin“ (Vereinfachung von Normen und Verfahren), die Vereinfachungen systematisch bündeln.

Bezahlbare Mieten sind das Ergebnis bezahlbaren Bauens.

5. Bestlagen öffnen für Menschen – Wohn- und Aufenthaltsqualität stärken

Berlin nutzt viele zentrale Flächen noch nicht optimal. Gleichzeitig fehlt Wohnraum gerade in gut angebundenen Lagen. Leerstand, mindergenutzte Grundstücke und überholte Nutzungen bieten hier ein erhebliches Potenzial.

Gerade die Umnutzung bestehender Brach- und Gewerbeflächen kann zusätzlichen Wohnraum schaffen und gleichzeitig attraktive Freiräume mit hoher Aufenthaltsqualität generieren.

Deshalb:

  • schnellere Baulandaktivierung
  • Spreeufer und andere zentrale Lagen stärker für Wohnen und öffentliche Nutzung öffnen
  • Randbebauung des Tempelhofer Feldes ermöglichen
  • untergenutzte Flächen (z. B. Lagerflächen oder Konversionsflächen) systematisch aktivieren
  • Aufenthaltsqualität stärken: öffentliche Räume, Grünflächen und Zugänge zum Wasser ausbauen
  • Nutzungskonflikte pragmatisch lösen und Wohnungsbau klar priorisieren

Moderne Stadtentwicklung folgt dem Prinzip: Innenentwicklung vor Außenentwicklung. Gerade zentrale Lagen ermöglichen dichte, gemischte und lebendige Quartiere mit kurzen Wegen. Das reduziert Pendelverkehr, entlastet die Infrastruktur und schafft mehr Lebensqualität.

Internationale Erfahrungen zeigen: Eine konsequente Nutzung innerstädtischer Flächen ist einer der wirksamsten Hebel, um Wohnungsmärkte zu entspannen – schneller und nachhaltiger als neue Baugebiete am Stadtrand.

6. Selbstgenutztes Eigentum ermöglichen – wichtige Stütze für Vorsorge und gesellschaftliche Durchmischung

Wohneigentum ist ein zentraler Baustein für soziale Stabilität, Vermögensaufbau und Altersvorsorge. Gleichzeitig wird es für breite Teile der Mittelschicht – insbesondere junge Familien – zunehmend unerreichbar.

Deshalb:

  • Erwerb von selbstgenutztem Eigentum gezielt erleichtern (z. B. durch Senkung der Grunderwerbsteuer für Selbstnutzer)
  • verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, etwa bei privaten Finanzierungen
  • Bezahlbarkeit nicht dauerhaft über Subventionen sichern, sondern vor allem Kostentreiber reduzieren

Konkreter Vorschlag: Quote für selbstnutzende Erstkäufer mit mittleren Einkommen bei großen Neubauprojekten einführen!

Wohneigentum stärkt die Bindung an die Stadt, stabilisiert Quartiere und fördert soziale Durchmischung. Gerade vor dem Hintergrund demografischer Veränderungen ist es zudem ein unverzichtbarer Bestandteil privater Vorsorge. Wohneigentum ergänzt den Mietmarkt – es ersetzt ihn nicht.

7. Recht durchsetzen – Vertrauen sichern

Rechtsverstöße wie Mietwucher, illegale Ferien- und Untervermietung oder Zweckentfremdung verzerren den Markt und beschädigen das Vertrauen.

Notwendig sind:

  • strengere Kontrollen
  • wirksame Sanktionen
  • konsequente Anwendung bestehender Gesetze

Wer sich nicht an Regeln hält, schadet allen – besonders den Mieterinnen und Mietern.

8. Wohnraum effizienter verteilen – freiwillig, nicht durch Zwang

Berlin hat ein massives Effizienzproblem im Bestand. Viele Menschen wohnen in zu großen Wohnungen, weil ein Umzug finanziell unattraktiv ist.

  • über 56 % Einpersonenhaushalte
  • viele große Wohnungen werden von Einzelpersonen genutzt

Doch Zwang hilft nicht – Anreize schon.

Konkreter Vorschlag: Stillstand nicht hinnehmen, Wohnungswechsel aktiv fördern!

Etwa durch:

  • Umzugsprämien und finanzielle Anreize
  • Unterstützung bei Wohnungstausch (z. B. Plattformen und Beratung)
  • Ermöglichung aktiver Mieteransprache und Angebot kleinerer Wohnungen durch Wohnungsbaugesellschaften statt ausschließliche Wohnungsvergabe durch Losverfahren
  • Regelmäßige Bedarfsprüfung bei Mietenden von WBS-Wohnungen

Ziel ist es, attraktive Alternativen zu schaffen – nicht Druck aufzubauen.

Schon eine moderate Erhöhung der Umzugsdynamik könnte zu einer besseren Bedarfsabdeckung führen. Mehr Bewegung im Bestand kann tausende Wohnungen aktivieren – insbesondere für Familien.

9. Förderung zielgenau ausrichten: Fokus auf Wirkung

Öffentliche Mittel müssen dort wirken, wo sie den größten Effekt haben:

  • Neubau von Sozialwohnungen
  • Modernisierung und Dekarbonisierung

Förderinstrumente wie der Wohnberechtigungsschein müssen regelmäßig überprüft werden, um Bedürftige so lange zu unterstützen, wie dies nötig ist und Mitnahmeeffekte zu vermeiden.

10. Vergesellschaftung: teuer, riskant, kontraproduktiv

Die Debatte um Vergesellschaftung bedient nur die Aufregungsökonomie und dient der politischen Mobilisierung. Sie lenkt vom eigentlichen Problem – fehlendem Wohnraum – ab.

Vergesellschaftung bedeutet:

  • Kosten in zweistelliger Milliardenhöhe
  • keine einzige neue Wohnung
  • massive Verunsicherung und Rückzug von Investoren
  • Unsicherheit auf den Finanzmärkten, höhere Zinsen für alle Immobilienkredite.

Vergesellschaftung löst den Wohnungsnotstand nicht – sie zementiert und verschärft ihn.

Fazit: Für eine wachsende Stadt mit ausreichend Wohnraum

Berlin steht an einem Wendepunkt:

• weiter blockieren – oder endlich bauen
• weiter verwalten – oder aktiv gestalten
• weiter polarisieren – oder gemeinsam handeln

Das Ziel ist erreichbar: eine Stadt mit ausreichend Wohnraum, stabilen Mieten und wirtschaftlicher Stärke. Die Lösung liegt im Schulterschluss von Politik, Verwaltung, privater Wirtschaft, kommunaler Unternehmen und Stadtgesellschaft.

Gemeinsam müssen wir
• mehr bauen
• schneller genehmigen
• Investitionen ermöglichen
• Finanzmittel zielführend einsetzen
• Bestand besser nutzen

Alles andere verzögert eine Lösung. Berlin braucht ausreichend Wohnraum – am richtigen Ort, für unterschiedliche Einkommensgruppen, in gemischten Quartieren. Das gelingt nur, wenn kommunale, genossenschaftliche, gemeinwohlorientierte und private Akteure gleichermaßen bauen können – unter klaren, fairen und verlässlichen Regeln.

Der Berliner Wohnungsmarkt braucht keinen weiteren Streit und keine ideologischen Zuspitzungen. Er braucht ein klares Bekenntnis zum Handeln.

10 Impulse für ein Berlin mit ausreichend Wohnraum, stabilen Mieten und wirtschaftlicher Stärke

Hier können Sie das VBKI-Impulspapier herunterladen.

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Anette Weller

Co-Vorsitzender des VBKI-Ausschusses Immobilien, Sonderbeauftragte Apleona GmbH

presse@vbki.de

Christian Schulz-Wulkow

Co-Vorsitzender des VBKI-Ausschusses Immobilien,
Managing Partner Blacklake GmbH

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