„Nur gemeinsam entsteht Kraft“
Harald Christ über Teamgeist, klare Positionierung und einen starken Dialog zwischen Wirtschaft und Politik.
Fragen Sebastian Thomas | Leitung Kommunikation & Marketing
Es war die Top-News beim Ball der Wirtschaft 2026: Harald Christ bewirbt sich als Kandidat des VBKI-Präsidiums um die VBKI-Präsidentschaft. Wer ist der Mann, der auf der VBKI-Mitgliederversammlung Anfang Juni den Staffelstab von Markus Voigt übernehmen möchte? Wie nimmt er den VBKI wahr, was motiviert ihn? Im Gespräch erläutert er, was ihn antreibt, welche Impulse er setzen möchte – und warum wirtschaftliche Stärke immer auch gesellschaftliche Verantwortung bedeutet.
Herr Christ, Sie bewerben sich als Kandidat des Präsidiums um die Nachfolge von Markus Voigt als Präsident des VBKI. Was treibt Sie an?
Die Motivation ist im Kern sehr simpel: Verantwortung für diese großartige Stadt und ihre wirtschaftliche Zukunft zu übernehmen. Unser VBKI ist seit über 140 Jahren eine starke, unabhängige Stimme der Berliner Wirtschaft. Er verbindet Unternehmerinnen und Unternehmer, fördert den Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft und setzt Impulse für den Standort. Ich habe in unterschiedlichen unternehmerischen Rollen erlebt, wie wichtig verlässliche Netzwerke, wirtschaftspolitische Klarheit und ein konstruktives Mindset sind – gerade in einer Stadt wie Berlin, die enormes Potenzial hat, aber auch vor strukturellen Herausforderungen steht. Dieses Potenzial weiter zu stärken und den Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Stadtgesellschaft aktiv zu gestalten, motiviert uns Berliner Unternehmerinnen und Unternehmer ungemein.
„Meine Motivation? Verantwortung für diese großartige
Stadt und ihre wirtschaftliche Zukunft zu übernehmen.“
Zugleich geht es beim VBKI nicht nur um wirtschaftspolitische Themen. Unser soziales Engagement, etwa im Rahmen unseres Projekts „Berliner Lesepaten“ und andere Initiativen, zeigt, dass wirtschaftliche Verantwortung immer auch gesellschaftliche Verantwortung bedeutet. Diese Verbindung von wirtschaftlicher Stärke und sozialem Engagement halte ich für zentral.
Ich möchte ausdrücklich betonen, welch beeindruckende Entwicklung der VBKI in den vergangenen Jahren genommen hat. Markus Voigt hat den Verein mit großer Integrität, Klarheit und Engagement geführt und weiterentwickelt. Darauf lässt sich aufbauen. Ebenso zentral ist das starke Team in der Geschäftsstelle mit Ute Weiland an der Spitze, das die tägliche Arbeit mit hoher Professionalität trägt.
Das Amt des Präsidenten ist ein Ehrenamt. Es geht nicht um eine Position, sondern um einen Beitrag. Wenn ich kandidiere, dann aus der Überzeugung heraus, dass ich meine Erfahrung, mein Netzwerk und meine Energie einbringen kann, um unseren VBKI gemeinsam mit dem Präsidium und den Mitgliedern weiterzuentwickeln und zukunftsfest zu machen. Berlin braucht wirtschaftliche Stärke, Innovationskraft und unternehmerische Verantwortung. Dazu möchte ich meinen Teil beitragen.
Mit welchen drei Adjektiven würden Sie sich als Person und Führungspersönlichkeit beschreiben?
Verbindlich, verlässlich und entschlossen. Verbindlich, weil Verbindlichkeit und damit Vertrauen die Grundlage jeder erfolgreichen Zusammenarbeit sind. Gerade in einem Wirtschaftsverein mit sehr unterschiedlichen Perspektiven ist das entscheidend. Verlässlich, weil ich selbst Verantwortung übernehme und mich auch dementsprechend einbringe. Entschlossen, weil gute Ideen nur dann Wirkung entfalten, wenn man bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und konsequent zu handeln.
„Mich beeindruckt, wie sachlich und zugleich engagiert
im VBKI diskutiert wird.“
Welche Erfahrungen aus Ihrem bisherigen beruflichen und gesellschaftlichen Werdegang würden Sie in den VBKI einbringen?
Ich bringe sowohl eine unternehmerische als auch eine politische Perspektive mit. Als Unternehmer habe ich Verantwortung für Investitionen, Arbeitsplätze und strategische Entscheidungen getragen. Ich kenne die Realität von Wettbewerb, Regulierung, Finanzierung und Transformation aus eigener Erfahrung. Man lernt sehr konkret, welche Rahmenbedingungen Wachstum ermöglichen – und welche es behindern.
Aus meiner politischen Erfahrung weiß ich zugleich, wie Entscheidungsprozesse funktionieren, wo Zielkonflikte entstehen und wie wichtig klare Kommunikation und Prioritätensetzung sind. Diese Erfahrung an der Schnittstelle von Wirtschaft und Politik halte ich für unsere Arbeit im VBKI für besonders wertvoll.
Wann sind Sie erstmals mit dem VBKI in Berührung gekommen und was hat Sie damals besonders angesprochen?
Meine ersten Berührungspunkte mit dem VBKI hatte ich im Rahmen wirtschaftspolitischer Veranstaltungen und im Austausch mit Mitgliedern. Mich hat beeindruckt, wie sachlich und zugleich engagiert dort diskutiert wird. Der VBKI ist kein Ort für kurzfristige Schlagzeilen, sondern für substanzielle Debatten über die wirtschaftliche Zukunft Berlins. Diese Ernsthaftigkeit und die Bereitschaft zum konstruktiven Dialog haben mich von Anfang an überzeugt.
Was zeichnet den VBKI aus Ihrer Sicht aus und was macht ihn in Ihren Augen möglicherweise einzigartig?
Unser VBKI ist eine unabhängige Wirtschaftsvereinigung mit historischer Tiefe und gleichzeitig modernem Anspruch. Er bündelt unternehmerische Kompetenz aus unterschiedlichen Branchen und Generationen.
Einzigartig ist aus meiner Sicht die Verbindung aus Tradition, Unabhängigkeit, strategischem Gestaltungswillen und gemeinnützigem Engagement. Der VBKI versteht sich nicht als kurzfristige Interessenvertretung einzelner Gruppen, sondern als langfristig denkende Stimme der Berliner Wirtschaft. Gerade in einer Hauptstadt, in der politische Entscheidungen unmittelbare wirtschaftliche Auswirkungen haben, ist eine solche unabhängige und sachorientierte Plattform von entscheidender Bedeutung.
Zugleich hat der VBKI das Potenzial, noch stärker als zentraler Treffpunkt der Wirtschaft in der Bundeshauptstadt wahrgenommen zu werden – wir sollten unseren VBKI als „Place to be“ für Unternehmen aus ganz Deutschland, die in Berlin präsent sein und den Dialog mit Politik und Wirtschaft suchen, positionieren.
Gibt es aus dem vielfältigen Aktivitätsspektrum des VBKI Themen und Projekte, die Ihnen besonders am Herzen liegen würden?
Vier Themen sind mir besonders wichtig. Erstens, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Berlin. Das beinhaltet schnelle Planungs- und Genehmigungsverfahren, verlässliche Investitionsbedingungen und eine klare wirtschaftspolitische Strategie.
Zweitens, Talente und Gründergeist. Berlin zieht kreative und unternehmerische Menschen aus aller Welt an. Wir müssen bessere Bedingungen schaffen, damit aus Ideen nachhaltige Unternehmen werden und Wertschöpfung in der Stadt bleibt. Wir sollten unseren VBKI noch stärker auch für jüngere Generationen öffnen und gezielt Räume für Austausch, Mentoring und unternehmerische Vernetzung schaffen.
Drittens halte ich es für wichtig, die Präsenz des VBKI im Osten der Stadt weiter auszubauen. Berlin ist mehr als sein historisches Zentrum. Gerade in den östlichen Bezirken entstehen neue wirtschaftliche Dynamiken, innovative Projekte und kreative Milieus. Diese Entwicklungen sollten wir noch stärker einbinden.
Viertens, ein strukturierter, kontinuierlicher Dialog zwischen Wirtschaft und Politik. Wirtschaftliche Stärke kann nur entstehen, wenn die Rahmenbedingen stimmen – dafür setze ich mich ein.
„Das Amt des Präsidenten ist ein Ehrenamt.
Es geht nicht um eine Position, sondern um einen Beitrag.“
Ihnen eilt der Ruf eines herausragenden Netzwerkers voraus. Gibt es bislang verschlossene Türen, die Sie dem VBKI und seinen Mitgliedern gern öffnen würden?
„Verschlossene Türen“ klingt mir zu mysteriös. Ich bin von Grund auf ein neugieriger Mensch und daher spreche ich mit Experten und Executives aus unterschiedlichsten Bereichen. Dabei ergeben sich oftmals spannende Anknüpfungspunkte und Schnittmengen. Diese Potenziale versuche ich zum Leben zu erwecken – nicht mehr und nicht weniger.
Es geht also nicht darum, Türen aufzustoßen, sondern darum, Dialog zu fördern. Über viele Jahre sind in unterschiedlichen unternehmerischen und gesellschaftlichen Funktionen enge und vertrauensvolle Kontakte gewachsen – national wie international. Diese Verbindungen verstehe ich nicht als exklusiven Zugang, sondern als Verantwortung.
Haben Sie darüber hinaus bereits Vorstellungen, in welchen Bereichen Sie eigene Akzente setzen wollen?
Mir ist wichtig zu betonen, dass der VBKI bereits über ein starkes Profil und eine gewachsene Struktur verfügt – diese positive Entwicklung hat der Verein nicht zuletzt Markus Voigt zu verdanken. Eigene Akzente verstehe ich daher weniger als Bruch, sondern als Weiterentwicklung. Gemeinsam mit dem Präsidium und den Mitgliedern möchte ich die wirtschaftspolitische Positionierung des VBKI weiter schärfen, insbesondere bei Fragen der Wettbewerbsfähigkeit, der Investitionsbedingungen und der Innovationsförderung. Zudem halte ich es für wichtig, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Berlins stärker sichtbar zu machen – auch über die Stadt hinaus. Berlin wird häufig kulturell wahrgenommen, wir sollten es ebenso klar als leistungsfähige Wirtschaftsmetropole positionieren. Bei aller Initiative und Impulsen, die ich gerne einbringe, steht außer Frage, dass all das nur im „Team-Play“ gelingen kann. Ein Präsident wirkt nie allein – entscheidend ist das Präsidium als Team. Nur gemeinsam entsteht Kraft.
Zwei Netzwerker aus Leidenschaft
VBKI-Präsident Markus Voigt und Harald Christ anlässlich des Ball der Wirtschaft 2026.
Berlin befindet sich im Wahlkampfmodus. Wie nehmen Sie die Stadt wahr? Wo nutzt sie ihre Möglichkeiten, wo bleibt sie dahinter zurück?
Berlin ist voller Möglichkeiten. Die Stadt verfügt über echten Gründergeist, exzellente Forschung, internationale Strahlkraft und eine lebendige Unternehmenslandschaft. Die Dynamik und Innovationskraft sind große Stärken, die national und international wahrgenommen werden. Aber Entscheidungsprozesse dauern oft zu lange und Investitionsvorhaben sind mit erheblichem administrativem Aufwand verbunden. Viele Mitglieder des VBKI erleben diese Herausforderungen täglich. Hier bleibt Berlin hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Im Wahlkampf werden unterschiedliche Zukunftsbilder diskutiert – das ist gut und gehört zum Wesen einer Demokratie. Wenn ich es aus der Perspektive der Wirtschaft betrachte, sehe ich vor allem drei Prioritäten: eine deutliche Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren, eine klare Standortstrategie mit definierten Zukunftsclustern und eine konsequente Verwaltungsmodernisierung mit stärkerer Digitalisierung und klaren Verantwortlichkeiten. Entscheidend wird sein, dass nach der Wahl schnell Klarheit und Verlässlichkeit geschaffen wird. Nachhaltiges Wirtschaftswachstum erfordert Planungssicherheit, effiziente Strukturen und einen konstruktiven Dialog zwischen Politik und Wirtschaft.
Die deutsche Wirtschaft erlebt derzeit schwierige Zeiten. Wie deuten Sie die gegenwärtige Lage am Standort Deutschland? Wo liegen die Risiken, wo möglicherweise die Chancen?
Der Business Case Deutschlands steht vor strukturellen Herausforderungen. Einige Zahlen unterstreichen den Ernst der Lage: Die Industrieproduktion ist in den vergangenen Jahren spürbar zurückgegangen, und allein 2025 wurden über 100.000 Industriearbeitsplätze abgebaut. Gleichzeitig liegen unsere Energiekosten deutlich über denen zentraler Wettbewerber – für ein industriell geprägtes Land ist das ein erheblicher Wettbewerbsnachteil. Das sind reale Belastungen. Hinzu kommen demografischer Druck, hohe Arbeitskosten und eine ausgeprägte regulatorische Komplexität.
Gleichzeitig dürfen wir die Substanz des Standorts nicht unterschätzen. Deutschland ist weiterhin die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, verfügt über eine außergewöhnlich starke industrielle Basis und eine exzellente Forschungslandschaft. Im vergangenen Jahr wurden hierzulande mehr als doppelt so viele Patente beim Europäischen Patentamt angemeldet wie in Frankreich. Zudem haben ausländische Unternehmen zuletzt rund 96 Milliarden Euro in Deutschland investiert – ein deutliches Signal anhaltenden Vertrauens.
Wir haben weniger ein Erkenntnis- oder Kompetenzproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Das höre ich auch in vielen Gesprächen mit Ihnen. Die Lösungen sind weitgehend bekannt. Entscheidend sind jetzt Tempo, Priorisierung und die konsequente Verbesserung der Rahmenbedingungen. Die Risiken sind real – aber die Chancen sind es ebenso. Wenn es gelingt, Investitionen zu mobilisieren und Reformen pragmatisch umzusetzen, kann Deutschland seine wirtschaftliche Stärke erneut unter Beweis stellen.
Gleichzeitig verfügen wir über eine starke industrielle Basis, exzellente Forschung und hohe Innovationsfähigkeit. Das Problem liegt weniger im Erkenntnisstand als in der Umsetzung. Wenn wir Investitionen erleichtern, Bürokratie abbauen und Innovation konsequent fördern, bestehen weiterhin große Chancen.
„Nachhaltiges Wirtschaftswachstum erfordert Planungssicherheit, effiziente Strukturen und einen konstruktiven Dialog zwischen Politik und Wirtschaft.“
Dem VBKI stehen nicht nur personelle Veränderungen bevor, sondern auch ein Ortswechsel: Anfang 2027 wird das neue VBKI-Haus in der Bleibtreustraße bezogen. Worauf freuen Sie sich in diesem Zusammenhang besonders?
Der Ortswechsel ist mehr als eine neue Adresse. Er bietet die Chance, einen sichtbaren Treffpunkt für die Berliner Wirtschaft zu schaffen. Ich freue mich darauf, dass das neue Haus ein lebendiger Ort für Begegnung, Debatte und strategischen Austausch wird. Gerade in einer zunehmend digitalen Welt gewinnt der persönliche Dialog an Bedeutung.
2029 – also am Ende Ihrer satzungsgemäß dreijährigen Amtszeit – feiert der VBKI seinen 150. Geburtstag. Wenn man dann über den VBKI spricht: Welches Bild sollte in den Köpfen der Menschen entstehen? Welche drei Eigenschaften sollten den Verein kennzeichnen?
Unser VBKI sollte als moderne, unabhängige und zukunftsorientierte Stimme der Berliner Wirtschaft wahrgenommen werden. Als Plattform, die Tradition respektiert und zugleich Zukunft gestaltet.
Unabhängigkeit, Gestaltungswille und Gemeinschaft sind für mich die Eigenschaften, die den Verband dann prägen sollten. Unabhängigkeit in der Positionierung, Zukunftskraft in den Themen – und Gemeinschaft im Miteinander seiner Mitglieder. Wenn dieses Bild entsteht, dann wäre der VBKI nicht nur 150 Jahre alt, sondern auch 150 Jahre jung.
Und was würden Sie sich wünschen, dass die VBKI-Mitglieder über Ihre erste Amtszeit sagen?
Zunächst einmal stehe ich im Juni zur Wahl. Dann entscheiden die Mitglieder. Dieses Votum ist Grundlage und Auftrag zugleich. Ich würde mir wünschen, dass Sie dann sagen: Der VBKI war stets sichtbar, relevant und klar positioniert. Er hat Impulse gesetzt, Haltung bewiesen, den Dialog gestärkt und dazu beigetragen, dass Berlin wirtschaftlich stärker geworden ist. Und vielleicht auch: Die Zusammenarbeit im Präsidium, mit der Geschäftsstelle und mit den Mitgliedern war von Teamgeist und gemeinsamer Verantwortung geprägt.
Vielen Dank!
Harald Christ ist Unternehmer, Investor, Aufsichtsrat und Gründer der Christ Capital. Zuvor führte ihn seine Karriere als Manager und Vorstandsvorsitzender durch zahlreiche Konzerne und Branchen. Als Stifter engagiert er sich zudem gesellschaftlich und bringt seine wirtschaftspolitische Expertise als Autor und Speaker ein.
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