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15.09.26

Umfrage: Vergesellschaftungsdebatte schadet Berlin

Umfrage: Vergesellschaftungsdebatte schadet Berlin

Civey-Befragung: 44,8 Prozent der Berlinerinnen und Berliner sehen den Ruf der Hauptstadt beschädigt | Gezielte Unterstützung und Wohnungsneubau haben deutlich größere Priorität als Vergesellschaftungen.

Text Sebastian Thomas | Leiter Kommunikation und Marketing

Die Debatte um die Vergesellschaftung großer privater Wohnungsunternehmen belastet aus Sicht einer deutlichen Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner das Ansehen des Wirtschaftsstandortes. 44,8 Prozent stimmen der Aussage zu, dass die aktuelle Debatte Berlin in Deutschland und im Ausland schade. Nur 25,5 Prozent widersprechen, 29,7 Prozent sind unentschieden. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Civey-Umfrage, die wir in Auftrag gegeben haben.

„Berlin steht im Wettbewerb um Investitionen, Unternehmen und Fachkräfte. Eine politische Debatte, die weit über die Stadt hinaus Zweifel an Verlässlichkeit und Eigentumssicherheit weckt, bleibt deshalb nicht ohne Folgen“, sagt VBKI-Präsident Harald Christ. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Berlinerinnen und Berliner sehr genau zwischen einer wirksamen Wohnungspolitik und Symboldebatten unterscheiden.“

So wünschen sich 37,8 Prozent als vorrangiges Ziel der Berliner Wohnungspolitik eine gezielte Unterstützung von Haushalten mit geringem Einkommen. 31,2 Prozent setzen auf eine Ausweitung des Wohnungsangebots durch Neubau. Die Vergesellschaftung und Überführung von Wohnungen in staatliches Eigentum nennen dagegen lediglich 15,7 Prozent als vorrangiges Ziel. Fast gleichauf liegt die Erleichterung des Erwerbs von Wohneigentum mit 15,3 Prozent.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Verwendung öffentlicher Mittel. Bildung und Betreuung stehen mit 45,2 Prozent an erster Stelle, dicht gefolgt vom Wohnungsneubau mit 43,3 Prozent. Sicherheit und öffentliche Dienstleistungen erreichen 38,3 Prozent, der Ausbau und die Sanierung der Infrastruktur 30,6 Prozent. Den Erwerb bestehender Wohnungsbestände durch die öffentliche Hand priorisieren hingegen nur 22,4 Prozent.

Diese Schwerpunktsetzung ist auch vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage zu sehen. Mehr als die Hälfte der Befragten – 55 Prozent – beurteilt die finanzielle Situation des Landes Berlin als schlecht. Lediglich 25 Prozent bewerten sie als gut. Für uns spricht dies für einen besonders verantwortungsvollen und wirksamen Einsatz der begrenzten öffentlichen Mittel.

Zugleich offenbart die Umfrage ein erhebliches Informationsdefizit. Zwar fühlen sich 40,9 Prozent über die konkreten Umsetzungspläne und möglichen Folgen einer Vergesellschaftung gut informiert. 28 Prozent beurteilen ihren Informationsstand aber als schlecht, weitere 31,1 Prozent sind unentschieden.

„Berlin braucht mehr bezahlbare Wohnungen. Dafür müssen wir schneller bauen, Planungsverfahren beschleunigen und private wie öffentliche Investitionen ermöglichen“, so Christ. „Der Ankauf vorhandener Bestände schafft keine einzige zusätzliche Wohnung. Wer die angespannte Lage nachhaltig verbessern will, sollte die knappen Mittel dort einsetzen, wo sie für die Menschen den größten konkreten Nutzen entfalten.“

Prof. Harald Christ, VBKI-Präsident 

Zur Befragung:  Wir haben Civey beauftragt, Berlinerinnen und Berliner ab 16 Jahren zur finanziellen Lage des Landes und zu wohnungspolitischen Prioritäten zu befragen. Die vorliegenden Ergebnisse basieren auf 1.500 Befragten im Zeitraum vom 24. August bis 04. September 2026. Der statistische Fehler des Gesamtergebnisses beträgt 2,5 Prozentpunkte. Abweichungen sind rundungsbedingt möglich.

Die vollständigen Umfrageergebnisse finden Sie hier.

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