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19.05.26

„Tisch der Gleichzeitigkeit“

„Tisch der Gleichzeitigkeit“

Foreign Policy Talk: Weltordnung im Umbruch – Chance für BRICS+?

Text Jonas Koch | Junior Referent Kommunikation und Marketing

Die internationale Ordnung befindet sich im Umbruch. Welche Rolle das Format BRICS+ in diesem Gefüge spielt und welche Auswirkungen sich daraus für Europa und die internationale Wirtschaft ergeben, diskutierten Expertinnen und Experten beim Foreign Policy Talk des VBKI.

Das inzwischen erweiterte Staatenbündnis BRICS+ umfasst seit 2024 neben Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika 2024 auch Ägypten, den Iran, Äthiopien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Mitgliedsstaaten repräsentieren gemeinsam einen erheblichen Anteil der Weltbevölkerung sowie rund 39 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung.

Nach der Einführung durch Kristen Giering, gemeinsam mit Prof. Eberhard Sandschneider Vorsitzende des Ausschusses Internationale Politik im VBKI, diskutierte Prof. Dr. Miriam Prys-Hansen, Lead Research Fellow am German Institute for Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg, gemeinsam mit Dr. Georg Witschel, Botschafter a. D. und Vizepräsident der Deutsch-Brasilianischen Gesellschaft e. V., die politischen und wirtschaftlichen Implikationen dieser Entwicklung.

Dabei wurde deutlich: BRICS+ ist kein Bündnis im westlichen Sinne mit verbindlicher Struktur oder gar gemeinsamer Außenpolitik, sondern eine informelle Plattform, die unterschiedlichen Staaten Raum zur Artikulation eigener Interessen bietet.

Die Gruppe vereint sehr unterschiedliche politische Systeme und wirtschaftliche Ausgangslagen – entsprechend heterogen sind auch die Interessenlagen. Eine abgestimmte außenpolitische Linie gibt es nur in Teilbereichen, während Kooperation und Wettbewerb häufig parallel bestehen.

Im wirtschaftlichen Fokus der Diskussion standen insbesondere Reformforderungen gegenüber bestehenden internationalen Institutionen. BRICS+ versteht sich zunehmend als Plattform, über die die Interessen des Globalen Südens stärker eingebracht werden sollen, beispielsweise mit Blick auf internationale Finanzinstitutionen, Handelsbeziehungen und die Rolle des US-Dollars im globalen Zahlungsverkehr. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die wirtschaftlichen Verflechtungen innerhalb der Gruppe sehr unterschiedlich ausgeprägt sind, was eine tiefgreifende wirtschaftspolitische Integration begrenzt.

Gerade diese Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Interessen führte zu einer zentralen Einordnung: BRICS+ funktioniert nicht als geschlossenes geopolitisches Gegenmodell, sondern als flexibler „Tisch der Gleichzeitigkeit“, an dem Interessenkongruenzen in bestimmten Bereichen zu konkreten Ergebnissen führen können, selbst wenn es in anderen Bereichen Dissens oder sogar offene Konfliktsituationen gibt.

Für Europa ergibt sich daraus die Notwendigkeit, die Rolle dieser Staatengruppe differenziert zu betrachten und ihre wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen jenseits klassischer institutioneller Muster einzuordnen. Es wird entscheidend sein, auf diese veränderten Rahmenbedingungen mit realistischem Blick und strategischer Anschlussfähigkeit zu reagieren.

Conclusion

Die Diskussion machte deutlich, dass BRICS+ nicht als geschlossenes Machtbündnis, sondern als flexible Plattform sehr unterschiedlicher Staaten mit teils divergierenden Interessen zu verstehen ist. Gerade diese Offenheit prägt den Charakter des Zusammenschlusses und macht klare politische oder wirtschaftliche Prognosen schwierig.

Für Europa und Deutschland ergibt sich daraus vor allem die Aufgabe, die Entwicklungen im Globalen Süden differenziert zu analysieren und die eigenen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen entsprechend weiterzuentwickeln. Dabei wird es entscheidend sein, BRICS+ nicht als homogene Einheit, sondern als vielschichtiges Gefüge zu betrachten, das je nach Themenfeld unterschiedlich agiert.

Zugleich zeigt sich: In einer zunehmend fragmentierten Weltordnung gewinnen pragmatische, interessengeleitete Kooperationen weiter an Bedeutung – sowohl für die BRICS+-Staaten selbst als auch für ihre internationalen Partner.

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