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27.11.25

Warum Deutschland umdenken muss

Warum Deutschland umdenken muss

Geoökonomische Zeitenwende: Prof. Dr. Eberhard Sandschneider im Gespräch mit Michael Sauga

Text: Undine Kugler | Referentin Veranstaltungswesen 

 

Mit einem klaren Plädoyer für eine strategische Neuorientierung eröffnete Prof. Dr. Eberhard Sandschneider den ersten Foreign Policy Talk des VBKI zur „Geoökonomischen Zeitenwende“. Gemeinsam mit Journalist und Autor Michael Sauga („Frühling der Autokraten“) analysierte er die sich verändernde globale Machtordnung, und diskutierte, welche Konsequenzen diese Entwicklungen für Deutschlands wirtschaftliche und politische Zukunft haben.

Ein Wirtschaftsmodell im Wandel

Früh machte Sandschneider deutlich, dass die bisherige sicherheits- und wirtschaftspolitische Grundarchitektur Deutschlands unter Druck geraten ist. Er nannte vier zentrale Säulen, die das deutsche Modell über Jahrzehnte getragen haben und heute an Stabilität verlieren:

  • sicherheitspolitische Rückendeckung durch die USA,
  • kostengünstige Energie aus Russland,
  • technologische Spitzenpositionen „Made in Germany“,
  • offene und verlässliche Exportmärkte.

Diese Rahmenbedingungen veränderten sich fundamental – und verlangten, so Sandschneider, ein strategisches Neudenken.

China als systemische Herausforderung

Ein Schwerpunkt der Diskussion lag auf Chinas Rolle in der Weltpolitik. Sandschneider erinnerte an wiederkehrende westliche Fehleinschätzungen – etwa die Erwartung, China werde sich demokratisieren oder dauerhaft in globale Regeln einfügen. Gleichzeitig baue Peking mit Initiativen wie Belt and Road oder dem BRICS+-Format seinen Einfluss gezielt aus. Das Ergebnis sei eine zunehmend multipolare Ordnung, die den Handlungsspielraum westlicher Staaten herausfordert.

Deglobalisierung und neue Sicherheitslogiken

Auch die wirtschaftspolitischen Leitbilder befinden sich im Wandel. Konzepte wie Nearshoring, Friendshoring oder De-Risking prägen zunehmend die strategischen Debatten. Effizienz tritt häufiger hinter sicherheitspolitische Überlegungen zurück. Lieferketten und Schlüsseltechnologien werden politisch – insbesondere im technologischen Wettbewerb zwischen den USA und China.

Autokratische Systeme im Aufwind

Michael Sauga richtete den Blick auf die wachsende Bedeutung autoritärer Staaten. Deren Stabilität beruhe häufig auf marktwirtschaftlichen Reformen, ökonomischer Anfangsdynamik und einer Form der Repression, die demokratische Prinzipien schrittweise untergrabe, ohne offene Gewalt anzuwenden. Gleichzeitig stünden westliche Demokratien vor eigenen Herausforderungen: gesellschaftliche Polarisierung, ökonomische Ungleichheit und der Druck auf mittlere Einkommen. Populistische Bewegungen seien Ausdruck dieser Entwicklungen.

Was Demokratien jetzt leisten müssen

Beide Redner betonten, dass die geoökonomische Zeitenwende eine langfristige Transformation darstellt. Für Deutschland und Europa bedeute das vor allem:

  • sicherheitspolitische Resilienz stärken,
  • Migration verlässlich steuern,
  • wirtschaftliche Innovationskraft erhöhen,
  • gesellschaftliches Vertrauen erneuern.

Vorbild könne hier Skandinavien sein – die Region, die gegenwärtig am erfolgreichsten auf populistische und autokratische Herausforderungen reagiert.

Fazit

Der Abend machte deutlich: Deutschland steht vor grundlegenden strategischen Entscheidungen. Die globalen Verschiebungen verlangen Orientierung, Dialog und neue Ansätze weit über das politische Tagesgeschäft hinaus. Mit dem Foreign Policy Talk eröffnet der VBKI eine Reihe, die diese Fragen vertieft beleuchten und Entscheidungsträgern Impulse für den Umgang mit den weltweiten Umbrüchen geben wird.

 

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