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23.04.26

Olympia als Impulsgeber für die Stadt von morgen

Olympia als Impulsgeber
für die Stadt von morgen

VBKI-Konferenz „Urban Catalyst“ bringt internationales Expertenwissen nach Berlin

Text: Annette Kusche | Referentin politische Kommunikation und Ausschüsse
Jonas Koch | Junior-Referent Kommunikation und Marketing

Wie können Megaevents wie Olympische und Paralympische Spiele gezielt zur nachhaltigen Entwicklung von Metropolen beitragen – und welche Chancen ergeben sich daraus für Berlin? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Konferenz „Urban Catalyst – Großevents als Katalysator für eine zukunftsgerichtete Stadtentwicklung“, die der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) initiierte. Gemeinsam mit der Anschutz Entertainment Group (AEG) und weiteren Partnern fand die Konferenz am 22.04.2026 in der Uber Eats Music Hall in Berlin statt. Rund 300 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Stadtentwicklung diskutierten über Perspektiven einer möglichen Berliner Olympiabewerbung.

Bereits zur Eröffnung machten VBKI-Präsident Markus Voigt und Alex Hill als Vertreter der Anschutz Entertainment Group deutlich, worum es im Kern geht: nicht um das Event selbst, sondern um dessen langfristige Wirkung. Megaevents seien dann erfolgreich, wenn sie von Beginn an als Teil einer strategischen Stadtentwicklung gedacht werden – mit klarem Fokus auf nachhaltige Nutzung, gesellschaftlichen Mehrwert und wirtschaftliche Tragfähigkeit.

Internationale Erfahrungen als Grundlage für Berlin

Im Zentrum der Konferenz standen internationale Best Practices. Führende Expertinnen und Experten analysierten anhand der Beispiele London 2012, Rio de Janeiro 2016 und Paris 2024 unterschiedliche Ansätze im Umgang mit Megaevents.

Prof. Ricky Burdett von der London School of Economics zeigte, wie die Olympischen Spiele 2012 gezielt zur Transformation eines strukturschwachen Stadtteils genutzt wurden. Entscheidend sei gewesen, Infrastruktur, Wohnungsbau und öffentliche Räume langfristig und bedarfsorientiert zu planen.

Paris 2024 wurde als Beispiel für eine konsequent auf Nachhaltigkeit und Nachnutzung ausgerichtete Strategie hervorgehoben – insbesondere mit Blick auf bezahlbaren Wohnraum und die Integration bestehender Infrastruktur.

Am Beispiel Rio de Janeiro verdeutlichte Prof. Marcos L. Rosa hingegen, welche Risiken entstehen, wenn langfristige Strategien fehlen oder nicht konsequent umgesetzt werden. Der Erfolg von Megaevents, so der Tenor, entscheidet sich vor allem in den Jahren vor und nach der Veranstaltung.

„Legacy“ als zentraler Erfolgsfaktor

Vor diesem Hintergrund rückte die sogenannte „Legacy“, also die langfristige Wirkung von Großveranstaltungen auf Stadt, Wirtschaft und Gesellschaft, in den Mittelpunkt der Diskussion. Einigkeit bestand darüber, dass Olympische Spiele nur dann nachhaltigen Mehrwert schaffen, wenn sie integraler Bestandteil einer umfassenden Stadtentwicklungsstrategie sind.

Dabei geht es insbesondere um Infrastruktur, Wohnraum, Mobilität und öffentliche Räume sowie um gesellschaftliche Akzeptanz, ökologische Standards und wirtschaftliche Tragfähigkeit.

Der Sportökonom Prof. Dr. Holger Preuß ordnete die ökonomische Dimension der „Legacy“ ein. Er zeigte auf, dass Olympische Spiele bei strategischer Planung durchaus positive gesamtwirtschaftliche Effekte entfalten können – etwa durch Investitionen und Beschäftigungseffekte. Entscheidend sei jedoch, dass diese Effekte langfristig gedacht und systematisch gesteuert werden.

In der anschließenden Diskussion wurde der Blick auf Berlin gerichtet: Unter dem Titel „Großveranstaltungen in Berlin: Notwendig oder verzichtbar?“ beleuchteten Vertreter aus Wirtschaft und Stadtentwicklung die konkreten Auswirkungen von Megaevents auf die Hauptstadt. Andrea Gebhard (Präsidentin der Bundesarchitektenkammer), Fabian Schmitz-Grethlein (Geschäftsführer Tempelhof Projekt GmbH), Georg Friedrichs (Vorstandsvorsitzender der GASAG-Gruppe) und Dr. Mario Tobias (CEO Messe Berlin) diskutierten unterschiedliche Perspektiven auf Stadtentwicklung und die wirtschaftlichen Effekte. Alle Wirtschaftsvertreter waren sich einig: ein Großevent wie zum Beispiel die Olympischen Spiele würde in Berlin Arbeitsplätze schaffen, Investitionen in die Stadt bringen und dafür sorgen, dass geplante Projekt auch pünktlich fertig werden.

Ebenso bestand Einigkeit darin, dass Megaevents wichtige wirtschaftliche Impulse setzen, Investitionen anstoßen und die internationale Sichtbarkeit Berlins nachhaltig stärken können.

Berlin im Fokus: Chancen und nächste Schritte

Einen persönlichen Blick auf die Bedeutung Olympischer Spiele lieferten zudem zwei Athleten mit „Olympia-Erfahrung aus erster Hand“: die zweifache Olympiasiegerin Heike Drechsler und der zweifache Olympiasieger Ronald Rauhe. Sie gaben Einblicke in die besondere Strahlkraft der Spiele und deren verbindende Wirkung für Gesellschaft und internationale Verständigung.

Daran anknüpfend wurde auch der aktuelle Stand einer möglichen Berliner Olympiabewerbung im Rahmen des Konzepts „Berlin Plus“ intensiv diskutiert. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner und der Olympiabeauftragte des Berliner Senats, Kaweh Niroomand, betonten sowohl die Chancen als auch die zentralen Anforderungen für die Stadt. Berlin bringe bereits viele Voraussetzungen mit – von vorhandener Infrastruktur über internationale Strahlkraft bis hin zu vielfältigen Stadtentwicklungsprojekten. Entscheidend werde jedoch sein, diese Potenziale in ein schlüssiges, langfristig tragfähiges Gesamtkonzept zu überführen und dabei eine breite gesellschaftliche Unterstützung sicherzustellen.

Fazit: Megaevents als strategisches Instrument

„Urban Catalyst“ hat eindrucksvoll gezeigt, dass Megaevents weit mehr sein können als kurzfristige Großveranstaltungen. Richtig eingesetzt, können sie als kraftvoller Hebel für nachhaltige Stadtentwicklung wirken.

Für Berlin bedeutet das: Eine mögliche Olympiabewerbung ist nicht nur eine sportpolitische Entscheidung, sondern eine strategische Weichenstellung für die Zukunft der Stadt. Entscheidend wird sein, die richtigen Lehren aus internationalen Erfahrungen zu ziehen und daraus ein tragfähiges, langfristig orientiertes Konzept zu entwickeln.

Unser Dank gilt allen Sprecherinnen und Sprechern, Partnern und Unterstützern sowie den zahlreichen Gästen für den intensiven Austausch und die vielfältigen Perspektiven. Auf dem Podium diskutierten Prof. Ricky Burdett (Direktor LSECities, London School of Economics ), Prof. Dr. Holger Preuß ( Professor für Sportökonomie und Sportsoziologie an der Universität Mainz), Prof. Marcos L. Rosa (Faculty of Architecture and Urbanism, Federal University of Rio de Janeiro), die zweifache Olympiasiegerin Heike Drechsler, der zweifache Olympiasieger Ronald Rauhe, Kaweh Niroomand (Olympiabeauftragter des Berliner Senats), der Regierende Bürgermeister von Berlin Kai Wegner, Andrea Gebhard (Präsidentin der Bundesarchitektenkammer), Fabian Schmitz-Grethlein (Tempelhof Projekt GmbH), Georg Friedrichs (GASAG-Gruppe) sowie Dr. Mario Tobias (Messe Berlin).

Ein besonderer Dank gilt unserer Moderatorin Sandra Pabst, die die Konferenz mit großer inhaltlicher Tiefe und Souveränität begleitet hat.

Für die großartige Zusammenarbeit mit der Anschutz Entertainment Group und der Agentur STÖBE bedanken wir uns herzlich.

Weiterer Dank gilt unseren Partnern und Unterstützern BEW (Berliner Wärme und Energie), Messe Berlin, Alba Europe, Weberbank, bdp real estate GmbH, Berlin Hyp, Drees & Sommer, Raumhaus, Tempelhof Projekt GmbH, Wall GmbH und Uber, ohne die diese Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre.

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