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16.09.26

Randbebauung Tempelhofer Feld: Notwendigkeit oder Tabubruch?

Randbebauung Tempelhofer Feld: Notwendigkeit oder Tabubruch?

Evers und Jarasch ringen um die Zukunft des Tempelhofer Feldes

Text Jonas Koch | Juniorreferent Kommunikation und Marketing

21.000 Wohnungen für rund 50.000 Menschen, und trotzdem rund 200 Hektar Freifläche erhalten: Kann eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes einen Teil der Antwort auf Berlins Wohnungsfrage liefern? Darüber diskutierten Stefan Evers (CDU) und Bettina Jarasch (Bündnis 90/Die Grünen) nach der Vorstellung der aktuellsten Bebaungspläne durch den Architekten Tobias Nöfer.

Zum Auftakt begrüßte VBKI-Geschäftsführerin Ute Weiland die Gäste und betonte die Offenheit des VBKI für unterschiedliche Positionen und neue Ideen zur Zukunft Berlins. Anschließend stellte Tobias Nöfer das gemeinsam mit Hans Kollhoff entwickelte Konzept „Zuhause am Tempelhofer Feld“ vor.

Die Idee: Bebaut werden ausschließlich die Ränder. Rund 21.000 Wohnungen für etwa 50.000 Menschen könnten entstehen, während rund 200 Hektar Wiesenfläche erhalten blieben. Wie groß diese Fläche weiterhin wäre, veranschaulichte Nöfer mit einem ungewöhnlichen Vergleich: Der gesamte erste Wiener Bezirk hätte darin Platz.

Vorgesehen sind gemischte Quartiere, flexible Wohnungsgrößen sowie serielle und damit kostengünstigere Bauweisen. Auch Verkehr, Energie und Baustellenlogistik sind Teil des Entwurfs. Bemerkenswert: Eine klimaökologische Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Wärmebelastung bei einer entsprechend geplanten Randbebauung gegenüber dem heutigen Zustand sogar sinken könnte. Auch wirtschaftlich ist das Modell interessant: Der Bau von rund 21.400 Wohnungen sei grundsätzlich durchführbar und finanzierbar.

Damit war die Grundlage gelegt für die anschließende, von Gilbert Schomaker moderierte politische Debatte.

Evers warb dafür, das Potenzial dieser zentralen landeseigenen Fläche zu nutzen. Gerade für bezahlbaren Wohnraum brauche Berlin neue Quartiere an gut angebundenen Standorten. Wachstum ausschließlich an die Stadtränder zu verlagern, bedeute dagegen, dort zusätzliche Infrastruktur und Verkehrsanbindungen schaffen zu müssen. Für ihn steht die Randbebauung deshalb auch für eine Stadt der kurzen Wege.

Jarasch widersprach: Wohnungsbau ja, aber nicht auf dem Tempelhofer Feld. Sie verwies auf andere Potenziale wie leerstehende Büroflächen, Nachverdichtung und neue Quartiere außerhalb der Innenstadt. Zugleich warnte sie davor, mit der Randbebauung ein weiteres langwieriges Berliner Großprojekt zu schaffen.

Bei einem Punkt lagen beide Positionen näher beieinander: Berlin muss schneller bauen. Planungs- und Genehmigungsverfahren müssen einfacher werden, damit aus vorhandenen Flächen tatsächlich Wohnungen entstehen.

Zum Abschluss wurde auch das Publikum einbezogen. Dabei ging es unter anderem um die Frage, ob die Berlinerinnen und Berliner erneut über die Zukunft des Feldes entscheiden sollten. Beide zeigten sich dafür offen, allerdings mit gegensätzlichen Erwartungen: Jarasch ist überzeugt, dass die Stadtgesellschaft das Feld weiterhin unbebaut lassen möchte. Evers sieht Berlin dagegen bereit für Veränderung, und auch für eine Randbebauung.

Moderator Gilbert Schomaker brachte die Debatte schließlich auf einen zentralen Punkt: Berlin braucht mehr Kompromisse und weniger Konfrontation.

Genau dafür wollen wir als VBKI Raum schaffen: für konkrete Ideen, unterschiedliche Positionen und die Suche nach Lösungen für eine wachsende Stadt.

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